Portrait of Ga, 1953
Experimentelles Portrait, 4'20 Min
Zarte Bewegungen, scheinbar leicht und doch bestimmt. Rauchend am Fenster, auf dem Feldweg spazierend, beim Auspacken eines Bonbons. Margaret Tait filmt ihre Mutter und kreiert ein abstraktes Portrait, eine vibrierende und sinnliche Reihung von Filmaufnahmen mit losen formalen Verbindungen und Motiven. Eine Ode an die Schönheit des Filmmaterials und ihre lebenserfahrene Protagonistin.
Die lose Form setzt sich in den gesprochenen Erinnerungen an die Großmutter fort. Wortspiele sind Teil dieser Erinnerungen: im Gespräch über eine Bratpfanne hört man Pan Drops und Butternuts heraus, in Großbritannien bekannte Süßigkeiten. „Antilope“ und „Büffel“ werden, richtig ausgesprochen, zu einer Ameise, die mit ihrem Liebhaber durchbrennt. Die kindliche Perspektive und der erwachsene Blick sind in den Gedanken an Mutter und Großmutter gleichermaßen spürbar, und es scheint, als habe die Leichtigkeit der Wortspiele schon immer zum Leben auf den Orkney Islands gehört.
Why did the pan drop?
You don’t know
I’d butter nut tell you.
It’s her grandchildren who called her Ga
And I suppose I called her mother Ga
But I only dimly remember that grandmother
My mother’s mother
An old lady quietly dressed in black
With whom did the ant elope With the buf falo.
Maybe the Viking ancestors, the Isbisters and Spences Used to make up puns and riddles in Old Norse
My mother lives in the windy Orkney islands
It’s certainly a wonderful place to be brought up in.
(…)
„Ihre Enkelkinder nannten sie Ga
Und ich glaube, ich nannte sie Mutter Ga
Aber ich erinnere mich nur schwach an diese Großmutter
Die Mutter meiner Mutter
Eine alte Dame, in unauffälligem Schwarz
(…)
Vielleicht haben die Wikinger-Vorfahren, die Isbisters und Spences
Wortspiele und Rätsel auf Altnordisch gemacht
Meine Mutter lebt auf den windigen Orkney Islands
Ganz sicher ein wunderbarer Ort zum Aufwachsen
(Übersetzung: Ulrike Sawicki)
Margaret Tait (UK)
Margaret Tait (1918–1999) ist eine prägende Figur des britischen Avantgarde-Kinos. Sie widmete sich neben dem Film auch der Literatur und veröffentlichte mehrere Bücher, darunter drei Gedichtbände. Ihr Interesse für die Poesie spiegelt sich auch in ihren Filmen wider, die sie selbst als Film-Gedichte beschrieb. Das künstlerische Werk von Margaret Tait ist Gegenstand von Monografien, Programmen, Ausstellungen und Retrospektiven. Im Jahr 2010 wurde der nach ihr benannte Margaret Tait Award für in Schottland lebende Filmemacher:innen gestiftet.
